Mann:
In der heutigen Sendung möchte ich Ihnen ein unkonventionelles Modellprojekt vorstellen. Es heißt „Ein Jahr Landleben testen“ und wird im Rahmen des Bundeswettbewerbs „Zukunftsstadt 2030“ unterstützt.
Loitz in Vorpommern hat sich neben anderen Städten für die letzte Phase des Wettbewerbs qualifiziert und kann nun Vorhaben umsetzen, die die Stadt voranbringen sollen. Loitz hat mit einigen Problemen zu kämpfen. Zwei davon müssen dringend gelöst werden: Abwanderung und Leerstand. Allein im Zentrum von Loitz stehen mehr als zehn Häuser leer. Ohne neue Bewohner können sich die Häuser schnell in Ruinen verwandeln. Die Stadt würde sie gern verkaufen, aber niemand ist daran interessiert. Die jungen Leute ziehen in die Großstädte, denn in Loitz gibt es zu wenig Arbeitsplätze. Und es werden keine neuen Arbeitsplätze geschaffen, weil es an jungen Arbeitskräften fehlt.
Mit dem Projekt „Ein Jahr Landleben testen“ will der Ort Großstädter anlocken. Zu den ersten, die sich zum Projekt gemeldet haben, gehören Annika Korn und ihr Mann Rolando González. Sie werden für ein Jahr auf Probe in der Kleinstadt Loitz leben. Die Eheleute sollen über ihre Erfahrungen dort berichten, damit dann noch weitere junge Leute in Loitz ihren neuen Lebensmittelpunkt finden. Mit ihren Berichten in den sozialen Medien sollen sie Reklame für das Städtchen machen und auch Touristen anlocken. Die Stadtbehörden hoffen nämlich auch auf eine Zunahme des Tourismus in der Stadt.
Die Stadt stellt Annika und Rolando für ein Jahr kostenlos ein altes Haus zur Verfügung. Da es sanierungsbedürftig ist, müssen sie es aber erst einmal herrichten. Das müssen sie aus eigener Tasche bezahlen. Ein Zuschuss von der Stadtbehörde für die Sanierungsarbeiten und die Einrichtung der Wohnung ist nämlich nicht drin. Dafür bekommen sie von der Stadt eine Art Grundeinkommen – 2000 Euro pro Monat. Im Gegenzug soll das Ehepaar im Untergeschoss des Hauses und im Innenhof einen Treffpunkt für alle Einwohner schaffen. Sie haben schon reichlich Ideen: Sie wollen mit kleinen Events starten, Konzerte organisieren oder Filme zeigen. Auch eine Sammlung von Comic-Heften haben sie mitgebracht und planen, eine Art Comic-Bibliothek zu eröffnen. Als Kunsthistorikerin organisierte Annika in den vergangenen Jahren in Berlin viele Ausstellungen. Sie will jetzt Künstlerinnen und Künstler einladen, damit sie in Loitz arbeiten und verschiedene Kunst-Workshops durchführen. Annika hofft, dass diese Kunst-Workshops die jungen Leute in der Region ansprechen werden. So wünscht es sich auch die Bürgermeisterin des Ortes. Denn ihrer Ansicht nach gibt es zu wenige junge Leute in der Stadt. Sie hofft, dass das Projekt und das, was am Ende dabei herauskommt, neugierig machen und die Attraktivität der Ortschaft erhöhen.
Ich werde Sie, liebe Zuhörer, in unseren nächsten Sendungen regelmäßig über den Verlauf dieses Projektes informieren.
Na podstawie: www.tagesschau.de