Text 1 Mann: Melanie, du hast Europäische Ethnologie und Informatik in Berlin studiert.
Warum hast du diese Wissensgebiete kombiniert?
Frau: Als Studentin der Ethnologie und der Informatik hatte ich gute Chancen, noch
während des Studiums in der Entwicklungszusammenarbeit mitzuwirken und
Auslandserfahrungen in Afrika oder Asien zu sammeln. Das war allerdings nicht der
Grund für meine Entscheidung. Die Arbeit als Programmiererin erschien mir zwar
nicht so schwer, sogar angenehm, aber auf Dauer wäre das nichts für mich.
Ethnologie und Informatik habe ich damals aus reinem Interesse kombiniert. Ich fand
es nämlich faszinierend, wie der Zugang zu Informationen die Entwicklung einer
Gesellschaft fördert: in der Wirtschaft und Landwirtschaft, in der Bildung, der
Gesundheit und der politischen Teilhabe. Und deshalb beschloss ich, beide Fächer
gleichzeitig zu studieren. Heute bin ich tatsächlich als selbstständige Beraterin und
Projektentwicklerin in der Entwicklungszusammenarbeit tätig.
Mann: An welchen konkreten Projekten arbeitest du als Informatikerin und Ethnologin
momentan in diesem Bereich?
Frau: Bei Entwicklungszusammenarbeit denken viele erst einmal an Brunnenbau oder
landwirtschaftliche Projekte. Aber auch in sehr armen Ländern mit schlechter
Infrastruktur besteht großes Interesse an Computertechnik und Mobiltelefonen. Oft
gibt es zwar kaum Festnetzanschlüsse, aber eine sehr hohe Dichte an
Mobiltelefonen und häufig sind sehr erfinderische Lösungen nötig. Unser
Schwerpunkt liegt deshalb in der Beratung beim Einsatz von
Informationstechnologien in strukturschwachen Regionen. Wie können
beispielsweise Mobiltelefone genutzt werden, um wichtige Informationen zu
verarbeiten oder sie zu verbreiten? Oder wie können Computerschulungen an
Universitäten oder Schulen gestaltet werden?
Mann: Dazu muss man die Bedingungen vor Ort gut kennen.
Frau: Allerdings. Solche Lösungen lassen sich am erfolgreichsten und nachhaltigsten in
enger Zusammenarbeit mit der Zielgruppe entwickeln. Die Menschen wissen, was
sie brauchen und was nicht. Auch die Rahmenbedingungen müssen berücksichtigt
werden, beispielsweise schlechte Stromversorgung, kein oder sehr langsames
Internet. Wir versuchen, genau diese Lösungen gemeinsam zu erarbeiten; oder wir
geben Ratschläge, wie der Einsatz von Informationstechnologien aussehen könnte.
Mann: Eine letzte Frage: Ich verstehe dich so, dass sich deine Fächerkombination im
Studium als sehr sinnvoll erwiesen hat. Ist das richtig?
Frau: Ja, auf jeden Fall. Ich habe eigentlich erst am Ende meines Studiums erkannt, dass sich die beiden Fächer beruflich kombinieren lassen. Was ich heute mache, gibt es in dieser Art auch noch nicht sehr lange. Noch vor zehn Jahren waren Laptops wesentlich teurer und empfindlicher als heute und Mobiltelefone waren für einen Großteil der Bevölkerung in den Entwicklungsländern unerschwinglich. Trotzdem habe ich schon damals angefangen, mich für die Kombination IT und Entwicklungszusammenarbeit zu interessieren. Als ich von der Technischen Universität Berlin angefragt wurde, im Rahmen eines Projekts in Afghanistan an der Universität Herat für ein Semester Informatik zu unterrichten, war ich sofort begeistert. So hat sich dieses Arbeitsfeld für mich erschlossen.
Na podstawie: www.lizzynet.de
Text 2 Frau:
Ich möchte mich für die Einladung in Ihre Sendung herzlich bedanken. In letzter Zeit habe ich viele Fragen über meine Arbeit im Zirkus Krone bekommen und möchte diese Gelegenheit nutzen, sie zu beantworten. Ich heiße Jana Krone, bin Direktorin im Zirkus Krone und zugleich Pferdetrainerin. Ich versuche, diese beiden Funktionen zum Nutzen aller miteinander zu verbinden.
Früher gab es viele Tiere im Zirkus, heutzutage sind Pferde die einzigen Tiere, die in der Arena auftreten. Als Pferdetrainerin dressiere ich schwarze Hengste und goldfarbene Falben. Von allen Tieren sind Pferde am mühseligsten abzurichten. Deshalb muss ich meinen Pferden gegenüber geduldig sein. Ein vertrauensvoller, achtsamer Umgang ist entscheidend. Die grundsätzlichen Verhaltensmuster von Pferden und Menschen sind in keiner Weise vergleichbar. Ich habe viel Erfahrung mit Pferden und kenne mich gut im Umgang mit ihnen aus.
Ich verbringe sehr viel Zeit mit ihnen. Jeden Morgen leite ich die Pferdeprobe in der Arena. Aber bevor ich die Pferde in die Arena führe, überprüfe ich, wie es den Pferden geht und ob sie alle auf den Beinen sind. Aus dem Mienenspiel jedes einzelnen Tieres kann ich ablesen, wie es ihm geht. Wenn alles in Ordnung ist, bekommen die Pferde Futter und Wasser. Danach findet das Training statt. Es beginnt immer mit den schwierigsten Pferdetricks, wenn die Tiere die meiste Kraft und Energie haben. Es gibt natürlich eine Belohnung für eine gut ausgeführte Aufgabe: lobende Worte oder eine zärtliche Berührung. Nach der Probe, zur Mittagszeit, begebe ich mich in mein Büro, wo ich mich als Zirkusdirektorin um die Papierarbeit kümmern muss. Den Zirkus zu leiten ist verantwortungsvoll und für mich manchmal schwierig, aber die Pferdedressur kompensiert diese Anstrengung und macht mich glücklich.
Pferde sind das wichtigste Markenzeichen des Zirkus Krone. Von Christel Sembach-Krone, der früheren Direktorin unseres Unternehmens, habe ich alles über Pferde gelernt. Mit drei Jahren stand ich zum ersten Mal mit einem Pony in der Arena, es war ein unvergesslicher Moment. Mit neun absolvierte ich meine erste Hohe Schule. Hohe Schule bezeichnet in der klassischen Reitkunst die Pferdedressur des höchsten Schwierigkeitsgrades. Mit zwölf bekam ich den ersten Applaus für eine Freiheitsdressur, wie im Zirkus die Pferdenummern ohne Reiter heißen. Seit meinem 14. Geburtstag nehme ich fast täglich an Zirkus-Shows teil. Ich mag es sehr, mit Pferden in der Arena aufzutreten. Der Anblick der zufriedenen Zuschauer ist für mich die größte Quelle meiner beruflichen Zufriedenheit.
Na podstawie: www.faz.net